Bericht zum Erörterungstermin Stemmern

Nach unserem Aktionswochenende gegen den Hühnermastanlagenbau in Stemmern Ende Juni waren wir am Dienstag, dem 12.08.2014 erneut vor Ort, um beim Erörterungstermin Präsenz zu zeigen. Schon im Vorfeld gab es enormen Protest in der Bevölkerung, 1624 Personen hatten schriftlich ihre Einwendungen eingereicht. Beim Erörterungstermin sollten sie dann theoretisch die Gelegenheit bekommen, ihre Einwände zu vertiefen und mit dem Antragsteller Tonkens bzw. dessen rechtlichen Vertreter_innen zu diskutieren. Da die Behörde den Einwender_innen die Teilnahme allerdings räumlich und terminlich erschwerte, indem sie das Zusammentreffen in das von Stemmern über 10 km entfernte Eggersdorf und zudem mitten in die Sommerferien legte, konnte natürlich nur ein Bruchteil der außergewöhnlich hohen Anzahl von Einwender_innen anwesend sein. 250 Menschen waren letztlich dort und haben die Veranstaltung boykottiert, indem unter der Leitung des BUND alle gemeinsam nach wenigen Minuten den Saal verließen und stattdessen draußen demonstrierten.

Boykott

Dieser Protestform schlossen auch wir von Tierfabriken-Widerstand uns an, schließlich waren wir unter anderem vor Ort, um die Arbeit der Bürgerinitiative („Sauberes Sülzetal“) zu unterstützen. Vor allem aber ging es uns darum, den Tierrechtsaspekt zu vertreten, weswegen bereits früh am Morgen drei Aktivist_innen auf das Dach des Veranstaltungsgebäudes geklettert waren und dort ein Transparent („Tierausbeutung und Umweltzerstörung dürfen nicht genehmigt werden!“) befestigt hatten. Wir konnten im Zuge der Redebeiträge von BI und BUND außerhalb des Gebäudes auch ein paar Worte zu unserer Motivation und dem Tierleid sagen, das eine Genehmigung der Anlage bedeuten würde.

dachMalen

Oben

Im Anschluss an die Redebeiträge störten fünf Leute von Tierfabriken-Widerstand unter dem Applaus der anderen Demonstrierenden dann spontan die trotz allen Protests ungerührt weiterlaufende Verhandlung und positionierten sich mit dem zuvor am Dach befestigten Transparent im Saal. Letztendlich ließen wir uns zwar dazu bewegen, den Saal zu verlassen und haben uns damit begnügt, das Transparent für den Zeitraum der Erörterung an der Tribüne hängen zu lassen, werden aber in Zukunft versuchen, schon im Voraus einen Konsens für die Vorgehensweise in derartigen Situationen zu finden.

Go-In

Positiv überrascht waren wir davon, dass wir von den Demonstrierenden sehr willkommen geheißen wurden, selbst beim Aufhängen des Transparents am Dach erhielten wir Unterstützung. Allerdings war es enttäuschend zu sehen, dass Tierrechts-, und auch bloße Tierschutzaspekte, ohne uns kaum eine Rolle gespielt hätten, und dass dementsprechend auch das Medienecho ausfiel. In den MDR-Berichten (1, 2) wurde die Anwesenheit von Tierfabriken-Widerstand einfach ignoriert und von den Hühnern war gar nicht die Rede, in einem Artikel der Volksstimme wird neben dem medial sehr präsenten BUND statt uns sogar PETA als Unterstützer_innengruppe genannt. Wir freuen uns zwar über den enormen Widerstand in der Bevölkerung, sind uns aber bewusst, dass wir bei künftigen Anlagen den emanzipatorischen Tierrechtsaspekt noch stärker in den Vordergrund stellen müssen, um damit überhaupt gehört zu werden – und dass wir bessere eigene Medienarbeit machen müssen.

hühnerleicheEinen bitteren Beigeschmack hatte der Tag außerdem dadurch, dass die angebotenen Essen gänzlich unvegan war, was nahelegt, dass die Menschen vor Ort sich offenbar vor allem an der Nachbarschaft der Anlage und an deren gigantischen Ausmaßen stören und bislang keine weiteren, grundsätzlicheren Konsequenzen ziehen. Dieser Eindruck wurde auch dadurch noch bestätigt, dass Anwohner_innen einen Schubkarren voll penetrant riechender „holländischer Gülle“ vor dem Gebäude abgestellt hatten, auf der ein offenbar eigens dafür getötetes, nacktes Huhn aufgepflockt war. Wir fragen uns, wer so wenig Weitsicht haben kann, für den Protest gegen eine Hühnermastanlage ein fühlendes Lebewesen, das zufällig der gleichen Spezies zugehörig ist, gewaltsam zu ermorden.

 

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