Lokale Auswirkungen

Nicht nur für die Tiere in industriellen Anlagen ist die Situation katastrophal (siehe Link „Situation für die Tiere“). Auch für die Menschen in der Umgebung und die Umwelt haben diese Megaanlagen verheerende Auswirkungen.

Auswirkungen auf die Menschen in der Umgebung

Die gesundheitlichen Gefahren der Massentierhaltung sind enorm.

Stallemissionen als Ursache für Krankheiten

Studien belegen, dass der von Mastanlagen ausgehende Gestank nicht nur unangenehm ist, sondern auch langfristige psychosomatische Auswirkungen haben kann, die sich in Angstzuständen, Depressionen und in stressbedingter Immunsuppression manifestieren.1

Zunehmende Antibiotika-Resistenzen

Antibiotika-Resistenzen sind auf dem Vormarsch. Ein Hauptgrund ist der flächendeckende Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung. So werden 92 % der Masthähnchen innerhalb ihres kurzen Lebens mindestens ein Mal mit Antibiotika behandelt. Antibiotika werden als Wachstumsbeschleuniger, prophylaktisch zur Krankheitsvorsorge aber auch damit die Tiere die Torturen überhaupt überstehen, eingesetzt.2
Antibiotika-Rückstände aber auch Antibiotika-resistente Keime finden sich dann im Fleisch dieser Tiere. So sind mehr als die Hälfte aller Hähnchenfleischproben mit multiresistenten Keimen verseucht.3 Eine vom NRW-Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegebene Studie zeigt aber auch, dass Antibiotika, die in der Tierhaltung eingesetzt wurden und durch Gülleausbringung auf Felder gelangen, von Nutzpflanzen aufgenommen werden. Das heißt noch nicht mal Vegetarier_innen sind für Antibiotika geschützt, wenn sie Getreide und Salat essen, die auf Gülleflächen wachsen. 4

Negative Auswirkungen auf die Umwelt

Die Massentierhaltung ist einer der Hauptverursacher unserer schlimmsten Umweltprobleme (Bodenzerstörung, Klimawandel und Luftverschmutzung, Wassermangel, Wasserverschmutzung und der Verlust von Artenvielfalt).

Probleme mit der Gülle

Die Ausscheidungen von industriell gehaltenen Tieren enthalten Ammoniak, Methan, Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid, Zyanid, Phosphor, Nitrate und Schwermetalle. Megaanlagen, wie sie in Ostdeutschland geplant und gebaut werden, führen zu einem enormen Gülleentsorgungsproblem. Viele der neuen Anlagen erhalten Baugenehmigungen ohne Nachweis, dass langfristig genügend Flächen für die Ausbringung der Gülle bereit stehen. Eine Prüfung dieser Verträge und eine Eignungsprüfung der angegebenen Flächen zur Gülleausbringung ist gesetzlich nicht vorgesehen. Teilweise werden Böden und Gewässer, die zu DDR-Zeiten mit Gülle überbelastet wurden, erneut als Entsorgungsflächen für überdimensionierte Tieranlagen genutzt 5. Dies führt zu einer systematischen massiven Überdüngung dieser Flächen mit Stickstoff (und Phosphor). Insgesamt stagniert der Stickstoffüberschuss auf landwirtschaftlichen Nutzflächen auf hohem Niveau und führt weiterhin zu Nitratbildung und Nitratbelastungen im Grundwasser.

Die Stickstoffbelastung hat weitreichende Konsequenzen für die Natur. Sie ist unter anderem Ursache für die Versauerung von Böden, Eutrophierung (unerwünschte Zunahme an Nährstoffen), Nitratbelastung des Grundwassers, von Oberflächengewässern sowie der Meere (sie führt dort auch zu überdimensionalem Algenwachstum). Insgesamt beeinträchtigt die Stickstoffbelastung die biologische Vielfalt (5).

Stallemissionen als Hauptursache für Waldschäden

Megatieranlagen sind die Hauptursache für Waldschäden durch Schadgase. Vor allem Ammoniak-Emissionen aus der Schweine- und Geflügelhaltung tragen zu Waldschäden und zur Versauerung der Böden bei. Die Filterwirkung des Waldes nimmt mit steigender Belastung ab (5).

Klimagase

Einer neueren Studie der Welternährungsorganisation (FAO) spielt die Tierhaltung eine wesentliche Rolle für den Klimawandel, da sie für 14,5 % aller Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Diese setzen sich dem Bericht zufolge zusammen aus den Emissionen bei der Produktion und Verarbeitung des Futters, den Methanausstößen der Wiederkäuer, der Lagerung und Verarbeitung der Gülle sowie der Verarbeitung und dem Transport der Tierprodukte.6

Umweltprobleme durch Transport

Tiere, Futter (meist importiertes gentechnisch verändertes Sojakraftfutter), Medikamente und Masthilfen werden von den Anlagenbetreibern in der Regel überregional, oftmals global eingekauft und im Stall eingesetzt. Anfallende Gülle muss zu entfernt liegenden Flächen transportiert werden. Das damit verbundene hohe Verkehrsaufkommen belastet die Umwelt und stellt ein Risiko hinsichtlich der Übertragung von Krankheiten und Seuchen dar (5).

  1. Vgl. Peter Clausing: Schwein gehabt, Profit gemacht: http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2014/03/LP21_25web16-23clausing.pdf.
  2. http://www.umwelt.nrw.de/verbraucherschutz/tierhaltung/antibiotikastudie/antibiotikastudie_abschlussbericht/index.php
  3. http://www.sueddeutsche.de/wissen/massentierhaltung-haehnchenfleisch-mit-resistenten-keimen-verseucht-1.1253338
  4. Grote M u. a. Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und aquatische Kompartimente. Zusammenfassung des Abschlussberichts, Fakultät für Naturwissenschaften, Anorganische und Analytische Chemie, Universität Paderborn, 2005
  5. http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/landwirtschaft/20060300_landwirtschaft_boom_massentierhaltung_studie_langfassung.pdf
  6. Siehe hier.
Seite zuletzt geändert am 26. März 2014