Erfolgreiches Aktionswochenende in Stemmern – wir wollen mehr davon

Am Wochenende vom 21./22.6. rief Tierfabriken-Widerstand gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Kontramast“ zum großen Aktionswochenende in Stemmern bei Magdeburg auf. In dem Ortsteil von Sülzetal will der Investor Gerrit Tonkens eine 350.000er Hühnermastanlage bauen. Darin sollen jährlich 2,8 Mio. Hühner bis zur „Schlachtreife“ gemästet werden.

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Foto: Beatrice Noczynski

Mit dem Aktionswochenende sollte der Protest gegen die Anlage gebündelt und weitere Menschen motiviert werden, Einwendungen zu schreiben und sich gegen das Vorhaben einzusetzen. Dazu wurde eine Demo von Stemmern zum Nachbarort Altenweddingen, entlang dem Weg, auf dem der Hühnerkot abtransportiert werden soll, organisiert. Den ganzen Samstagnachmittag gab es je einen Infostand mit veganen Kuchen am Start- und Endpunkt der Demo, organisiert von VegAnimal und Tierfabriken-Widerstand. Während beider Tage konnten Einwohner_innen und Angereiste in einer Einwendungsschreibwerkstatt ihre Gründe gegen die geplante Mastanlage formulieren. Zusätzlich gaben Vortragsveranstaltungen Einblicke in die Hühnerfleischindustrie und Informationen zu Mastanlagen in Ostdeutschland und dem Bündnis Tierfabriken-Widerstand.

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Fotos: Beatrice Noczynski

Dies war unsere erste große Aktion. Seit März recherchieren wir bei den zuständigen Behörden in Ostdeutschland, wo Genehmigungsverfahren für Tierfabriken laufen. Das Genehmigungsverfahren für die Anlage in Stemmern ist zurzeit in der Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Noch bis zum 07.07.2014 können Privatpersonen ihre Gründe gegen das Vorhaben schriftlich an die zuständigen Behörden senden.

Dem Aktionswochenende gingen mehrere Wochen des Mail- und Telefonkontakts mit Gabriele Siegel von der Bürgerinitiative (BI) Kontramast voraus. Gemeinsam wurde überlegt, was getan werden kann und welche unserer Ideen umsetzbar sind. Die Frage, was wir eigentlich wirklich anbieten und ob wir konstruktiv den Widerstand voranbringen können, hat uns dabei im Vorfeld sehr beschäftigt. Im Gegensatz zum BUND sind wir nicht klageberechtigt, noch (!) keine Experten in Sachen Genehmigungsverfahren, effektiver Vernetzung und zielführender Unterstützung. Wir hatten keine Vorstellung davon, was uns vor Ort erwartet; wie die Menschen auf uns reagieren; ob sie die Warnungen vor uns, wir seien radikale Spinner, ernst nehmen würden; wie viele Menschen zur Demo erscheinen und wie viele Menschen wir dazu bewegen könnten, Einwendungen zu schreiben.

Alle Fragen und Zweifel wurden jedoch von der überwältigenden Resonanz beseitigt. An der Demo beteiligten sich über 150 Menschen aus den umliegenden Gemeinden, darunter viele Familien. Zahlreiche Menschen schrieben ihre direkt Einwendungen in unserer mobilen Schreibwerkstatt oder nahmen sich Anregungen mit nach Hause. In regen Diskussionen machten die Anwohner_innen ihrer Wut auf das Vorhaben Luft. Und nicht zuletzt kamen unsere veganen Kuchen sehr gut an. Auch die Presse war vor Ort und berichtete über das Ereignis (Volksstimme, MDR).

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Foto: Constanze Arendt-Nowak

Für uns bot dieses Wochenende auch eine gute Möglichkeit, uns mit Magdeburger Tierrechtsinitiativen für weitere Aktionen zu vernetzen. Insgesamt war die Atmosphäre sehr herzlich und unser Engagement sehr willkommen. Alle Beteiligten fühlten sich wohl und zusammen haben wir an diesem Wochenende viel erreicht. Auch wenn wir in Sachen Tiernutzung sicher anderer Meinung als die meisten Menschen vor Ort sind, konnten wir unsere generelle Kritik an der Tierausbeutung anbringen, ohne auf offene Gegenwehr zu stoßen oder als Spinner abgetan zu werden. Und vielleicht haben wir ja in dem einen oder der anderen einen Umdenkprozess in Gang gesetzt. Denn lokal und kurzfristig geht es um die Verhinderung dieser einen Anlage, aber global und langfristig geht es um nicht weniger als das Ende der Tierausbeutung!

Und wie geht es in Stemmern weiter?

In den nächsten Wochen werden zahlreiche Informationsveranstaltungen und Möglichkeiten Einwendungen zu schreiben organisiert. So sollen noch mehr Menschen erreicht und Druck auf den Investor und die Genehmigungsbehörde aufgebaut werden.

Auf einer Infoveranstaltung am 24.6. in der Gemeinde Osterweddingen erklärten die anwesenden Gemeinderäte, dass der Gemeinderat, die Verwaltung und der Bürgermeister hinter der Bürgerinitiative stehen und sie nach ihren Möglichkeiten unterstützen werden. Auf der letzten Gemeinderatssitzung wurde einstimmig der Wille bekundet: keine Hühnermastanlage im Sülzetal.
Wichtige Kritikpunkte aus dem Antrag des Investors wurden erläutert und Bausteine für die Einwendungen wurden vorgestellt. Dazu zählen unter anderem, dass der Investor nicht vorhat Luftfilter einzubauen, dass er sich in seinem Antrag nicht zu den Gefahren für Menschen mit schwachem Immunsystem äußert und dass das Thema Brandschutz kaum Beachtung findet.
Abschließend wurden Aufgaben für die nächsten Wochen verteilt. Es sollen verstärkt Flyer verteilt werden, die Verwaltung und der Bürgermeister verfassen eine Stellungnahme und senden sie zusammen mit der Willensbekundung des Gemeinderates an die Landesverwaltung, die Minister_innen und den Landkreis. Durch die Mithilfe von Heimat- und Sportvereinen werden Einwohner_innenversammlungen durchgeführt und Einwendungen geschrieben und die Präsenz in den öffentlichen Medien soll verstärkt werden. Und es stehen schon die nächsten Termine für Infotische und Einwohner_innenversammlungen mit der Möglichkeit Einwendungen zu schreiben fest.

Mo, 30.6. – 18.30 Infotisch in der Feuerwehr in Stemmern
Do, 03.7. (18.00-20.00) – Einwohnerversammlung in der Sporthalle Osterweddingen

Dies wäre nicht die erste Tieranlage, die durch aktiven Widerstand der direkt betroffenen Menschen verhindert werden kann.

Was könnt ihr noch tun?

Auch nicht direkt betroffene Menschen können Einwendungen schreiben. Tut dies bitte noch bis zum 7.7.2014. Mehr Infos, Dokumentvorlagen und Einwendungsbausteine findet ihr hier.

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