Ich bin (k)ein*e Rassist*in, aber…

17. Mai 2018

Wer diese Seite besucht hat sich wahrscheinlich schon einmal Gedanken über ihren / seinen gesellschaftlich konditionierten Speziesismus gemacht (kritikloses Essen von anderen Lebewesen z. B.). Auch in anderen Dingen werden wir früh auf eine bestimmte Sichtweise konditioniert, die es sich zu reflektieren lohnt. Daher aus aktuellem Anlass ein kleines Quiz, alle Fragen sind mit Ja oder Nein zu beantworten, Auflösung zum Schluss:

  1. Ich nutze die Worte «Flüchtlinge», «Migranten», «Wirtschaftsflüchtlinge», aber denke dabei nur an nicht-weiße Menschen aus dem asiatischen / türkischen Raum oder aus einem Land des afrikanischen Kontinents. Chrissy, die mit einem von ihren Eltern bezahlten Flugticket aus den USA nach Deutschland kommt weil sie Trump nicht erträgt und glaubt, hier einen besser bezahlten Job zu finden, die meine ich nicht. (Nein, sie kann ich sogar sehr gut verstehen.)
  2. «Zwei Ausländer verprügeln Deutschen.» Ich lese die Schlagzeile und habe sofort Hautfarben im Kopf. Ich würde gar nicht auf die Idee kommen mir vorzustellen, dass die beiden «Ausländer» Schweizer und der Deutsche ein Schwarzer oder PoC war.
  3. Ich kenne DIE «afrikanische Kultur». (Auch wenn ich nur von zwei oder drei der 55 Länder auf dem afrikanischen Kontinent mehr weiß, als den Namen.)
  4. Ich halte das, was deutsche Medien über nicht-europäische Länder und Menschen berichten für ausgewogen – von Afghanistan bis Zimbabwe, ich weiß was da los ist / schief läuft. (Wenn ausländische Medien über Deutschland nur von Stuttgart 21, dem Berliner Flughafen, dem riesigen Niedriglohnsektor, ungleichen Bildungschancen, Aufstieg der AfD, massivem Alkoholmissbrauch in der Bevölkerung und gewalttätigen Polizeieinsätzen berichten würden, hielte ich das für verzerrt.)
  5. Wenn die AfD sich insbesondere gegen das Schächten einsetzt, dann aus ehrlichem Tierschutzwillen und nicht aus verdecktem Rassismus.
  6. Was sollen diese Fragen? Ich weiß sehr genau was Rassismus ist und was nicht. (Auch wenn ich weiß und deutsche*r Staatsbürger*in bin.)

Eine oder mehrere der Fragen mit Ja beantwortet? Es kann sein, dass irgendwo irgendwann ganz unbemerkt ein bisschen struktureller Rassismus in dich reingerutscht ist. Die beruhigende Nachricht: das geht fast jedem / jeder so (auch dem Verfasser). Die gute Nachricht: Rassismus kann entgegengewirkt werden, in fünf einfach klingenden, anstrengenden, lohnenswerten Schritten:

  1. Das große «ABER» unbedingt bis nach Schritt 5. zurückhalten.
  2. Weiße Privilegien und Perspektiven reflektieren – gibt es andere Perspektiven (z. B. Schwarze) auf die gleichen Sachverhalte? Kann ich die Perspektive dahingehend wechseln?
  3. Menschen fragen, die sich damit auskennen – http://www.phoenix-ev.org – und doch noch viel mehr über Rassismus erfahren.
  4. Ein bisschen weniger rassistisch sein.
  5. Zurück zu Schritt 1.
shhh

Zeichnung: http://natalienourigat.com/

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